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Borussia Mönchengladbach
Die Jungen sind mehr als nur Hütchenträger

László Bénes im Zweikampf mit Jannik Vestergaard. FOTO: Dirk Päffgen

Djibril Sow, Laszlo Bénes und Mamadou Doucouré könnten die nächsten Youngster sein, die bei Borussia den Durchbruch schaffen. Sie haben drei Vorbilder in der Mannschaft, die ihnen eine realistische Perspektive aufzeigen.

Wenn das Training schon vorbei ist, lohnt sich in Marbella noch ein genauer Blick auf den Rasen. Im Fußball ist heutzutage dauernd von flachen Hierarchien die Rede, doch eins scheint sich nie zu ändern: Dass die Jungen Bälle und Hütchen einsammeln, Tore wegtragen oder Getränke in die Kabine schleppen. Bei Borussia sind es neun der 26 Spieler, die nach Trainingsende anpacken müssen: Mo Dahoud, Andreas Christensen, Djibril Sow, Laszlo Bénes, Mamadou Doucouré, Nils Rütten, Ba-Muaka Simakala, Tsiy William Ndenge und Moritz Nicolas. Das sind alle ab Jahrgang '95, schon die 23-jährigen Thorgan Hazard und Nico Schulz zählen in dieser Hinsicht zu den Alten.

Den großen Durchbruch geschafft haben Dahoud und Christensen bereits, verletzt zu Hause geblieben ist Nico Elvedi, der in der Hinrunde die zweitmeisten Pflichtspielminuten aller Borussen absolvierte. Der Jahrgang '96 macht den noch Jüngeren Mut und signalisiert: Ja, da wird nicht nur geredet, sondern jungen Talenten wirklich eine Chance gegeben. "Ihr Vorteil ist, dass sie noch weitestgehend unbefleckt sind", sagt Sportdirektor Max Eberl über das Trio Sow, Bénes und Doucouré. Als internationale Talente stehen sie zudem für einen neuen Entwicklungsschritt des Vereins.

Borussia trainiert in der spanischen Abendsonne Dirk Päffgen

Der 19-jährige Schweizer Sow hatte seine Vier-Minuten-Premiere im DFB-Pokal gegen den VfB Stuttgart. Der Slowake Bénes durfte mehrmals auf der Bank sitzen. Doucouré als dritter im Bunde ist nach seiner schweren Muskelverletzung am weitesten vom Team entfernt, gilt aber als das größte Talent. Ein wenig sollen sie sich bei Borussia selbst die Augen gerieben haben, als sich der Franzose für einen Wechsel von Paris Saint-Germain nach Gladbach entschieden hatte.

Doucouré muss abreisen

Tag drei im Trainingslager Dirk Päffgen

Doucouré musste in Marbella nach seiner Verletzung allerdings noch etwas kürzer treten und am Montag mit muskulären Problemen sogar abreisen. "Während meiner Jugendzeit bei PSG habe ich eigentlich immer gespielt. Da hatte ich nie so eine Verletzung. Es war sehr hart für mich", sagt der 18-Jährige. "Aber ich hatte die ganze Zeit das Gefühl, dass sich alle um mich kümmern." Für seine Position des linken Innenverteidigers hat Borussia im Winter Timothée Kolodziejczak verpflichtet – gut für Doucoure, der noch kein Deutsch spricht und sich mit seinem Landsmann auf Französisch austauschen kann. "Aber auch sportlich finde ich ihn sehr interessant, weil Kolo auch ein Verteidiger ist, einer der schon viel Erfahrung hat und von dem ich lernen kann", sagt er.

Sow und Bénes haben also die realistischere Perspektive, Borussia schon sehr bald helfen zu können – nicht nur in den Testspielen am Dienstag, in denen alle Jungen wohl eine Chance bekommen werden. "Wir erhoffen uns natürlich, dass nun die neuen jungen Spieler Druck auf die arrivierten Kräfte machen", sagt Eberl. Und auch Trainer Dieter Hecking hat sich gleich nach der ersten Einheit begeistert geäußert: "Von den Jungen bin ich beeindruckt. Sie fallen nicht ab, sondern setzen im Gegenteil schon den einen oder anderen Akzent. Das ist für mich schon überraschend gewesen. Sie zeigen sich in den ersten Trainingstagen seit dem Start sehr gut – vielleicht haben wir da auch noch eine Überraschung in petto."

Sow hat bereits in der Sommer-Vorbereitung überzeugt, und Bénes' Einsatz und Spielfreude sind ebenfalls ansteckend. Sein linker Fuß ist zudem auch ein Faktor, der ihn attraktiv macht. Unter Lucien Favre hat Borussia in Álvaro Dominguez, Oscar Wendt, Granit Xhaka, Juan Arango und Max Kruse oftmals fünf Linksfüßer aufgeboten. Zuletzt unter Schubert war dann meist nur noch Wendt übrig, solange Ibrahima Traoré verletzt war. Vielleicht gab es nicht umsonst kein Team in der Bundesliga, das rechtslastiger angegriffen hat als Borussia. So können die Jungen vielleicht nicht nur für zusätzliche Konkurrenz, sondern auch für mehr Balance sorgen.

 
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