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Borussia Mönchengladbach
Wendt verdient sich "etwas Schongang"

FOTO: dpa, mb nic

Mönchengladbach. Oscar Wendt war einer der Matchwinner beim 3:1-Sieg gegen die Bayern in der vergangenen Saison. Auch in diesem Aufeinandertreffen probierte der Schwede alles, allerdings weniger erfolgreich. Für die kommende Woche bekommt er nun "Schongang" verordnet.

Es ging zu schnell für die Bayern: Oscar Wendt schickte Fabian Johnson auf der linken Seite, bekam im Strafraum den Ball zurück, leitete mit der Sohle weiter zu Raffael, ein schöner Doppelpass, und dann schlenzte Wendt den Ball mit rechts in die lange Ecke. Der Borussia-Park rastete aus, noch zwei weitere Male sollte er es tun, denn am Ende gewann Gladbach 3:1 gegen den FC Bayern. Das war am 5. Dezember 2015, auch das Duell am Sonntag sollte Borussia mit nur einem Gegentor beenden – aber im Angriff beim 0:1 eben ohne Anlässe zum Ausrasten vor Freude. 

"Die Leistung war wirklich in Ordnung", sagte Wendt dennoch. "In der ersten Halbzeit haben wir mehr verteidigt, in der zweiten waren wir etwas mehr am Ball. Wenn wir etwas genauer gespielt hätten, wäre vielleicht mehr drin gewesen." Das war eben der Unterschied zum furiosen Sieg 2015, als die Personallage allerdings deutlich entspannter war und Borussia eine Woche frei hatte vor dem Spiel. 

Nun dürfen sich die Gladbacher sogar über zwei spielfreie Wochen freuen, abgesehen von einem Test gegen den FC St. Pauli am Freitag. Überraschend wird Wendt dann auch vor Ort sein, er hat das Ende seiner Nationalmannschaftskarriere verkündet, obwohl er noch einmal von Janne Andersson nominiert wurde. Der schwedische Trainer hatte anders als sein Vorgänger Erik Hamrén seit dem vergangenen Herbst wieder auf Wendt gesetzt. "Ich habe ziemlich lange überlegt", verriet der 31-Jährige, "aber ich habe gemerkt, dass die Motivation nicht mehr so da ist." Im Stadion in Solna wird Wendt also weder im Europa-League-Finale noch für die schwedische Auswahl auflaufen, das sind zwei Erkenntnisse der Woche.

Der Rücktritt bedeutet vor allem mehr Zeit für die Familie. "Meine Frau und meine zwei Kinder werden mich öfter sehen. Hoffentlich freuen sie sich ein bisschen", sagte er. Tochter Elise ist drei Jahre alt, Sohn William ein knappes Jahr. Die Konstellation lässt auch Spekulationen über Wendts Zukunft zu. Bis Ende Juni 2018 läuft sein Vertrag. "Natürlich würde ich gern vielleicht ein Jahr länger hier spielen. Aber wir werden sehen, was passiert", sagte er im Dezember. "Ein Jahr länger", das wäre bis 2019, Elise stünde kurz vor der Einschulung und vielleicht wäre es tatsächlich der Zeitpunkt für den dann knapp 34-jährigen Wendt, um in die Heimat zurückzukehren.

In der näheren Zukunft hat der Dauerbrenner auf der linken Seite noch ein paar möglicherweise große Wochen vor sich mit Borussia – neun Bundesligaspiele, das DFB-Pokal-Halbfinale und im Optimalfall am 27. Mai das Finale in Berlin. Seine Aussage vom Ende des vergangenen Jahres, dass Gladbach noch "etwas Besonderes schaffen" könne, würde sich im Nachhinein als prophetisch erweisen. Von 1350 Hecking-Minuten hat Wendt nur 29 verpasst, lediglich Yann Sommer und Jannik Vestergaard haben mehr gespielt. "Oscar bekommt für die nächste Woche etwas Schongang verordnet", kündigte Trainer Dieter Hecking an.

Alles probiert hat Wendt auch gegen die Bayern, nur am Ende eben nicht erfolgreich. Einmal versuchte er es aus der Distanz, in der ersten Halbzeit war das einer der wenigen Torschüsse, die Borussia verzeichnete. Viel mehr ging nicht, was daran lag, dass der Schwede gegen die Bayern mal ein richtiger Linksverteidiger war und kein defensiver Außenstürmer wie in so vielen Spielen. Arjen Robbens Schuss an die Latte ließ er mit seinem Tandempartner André Hahn zu, ansonsten hatten sie den Niederländer und Philipp Lahm ganz gut im Griff. Dass Robben bei seiner Auswechslung eher angefressen vom Platz stapfte, darf sich auch Wendt mit anrechnen lassen.

(jaso)
 
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