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Borussia Mönchengladbach
Eine neue Anschrift für die Traumfabrik

Vier verschiedene Werdegänge (von links): Olcay Sahan kam aus Leverkusen, wurde Erstligaspieler. Marko Marin kam aus Frankfurt, wurde Nationalspieler. Oliver Stang kam aus Andernach, spielt heute in Borussias U 23. Tony Jantschke kam aus Dresden und hat mehr als 200 Spiele für Borussia absolviert. FOTO: Wiechmann (Archiv)

Mönchengladbach. Borussia verdoppelt im Jugendinternat die Zahl der Plätze. Aber der Anspruch bleibt: "Klein, fein, und mit Qualität."

Schnell noch ein Selfie, dann verschwindet Michael Cuisance in dem Gebäude, das gleichzeitig sein Arbeitsplatz und sein Wohnort ist. Kein Profi will seine Adresse in der Zeitung lesen, aber beim Franzosen kann eine Ausnahme gemacht werden, weil öffentlich bekannt ist, wo er haust: Hennes-Weisweiler-Allee 1, 41179 Mönchengladbach. Besser bekannt als der Borussia-Park.

Derzeit ist Cuisance der bekannteste Bewohner des Nachwuchsinternats. Er hat prominente Vorgänger: Marko Marin, Julian Korb, Elias Kachunga, Mo Dahoud. Mit Tony Jantschke und Patrick Herrmann spielt der 18-Jährige sogar in einer Mannschaft. Und für seine zehn Mitbewohner ist Cuisance nun ein Vorbild, wenn auch ein ungewöhnliches. Denn neben Noah Oke Eyawo ist er der einzige, der aus dem Ausland kam. Den Österreicher Eyawo hat der Verein im Sommer von Sturm Graz geholt, Cuisance von der AS Nancy-Lorraine.

Innerhalb des nächsten Jahres soll sich die Größe dieser Traumfabrik verdoppeln. Gestern fand der Spatenstich für das neue Nachwuchsinternat, den "Fohlenstall", statt. Zu den dann 24 Talenten, die dort wohnen, wird Cuisance nicht mehr zählen, er ist auf dem Sprung in eine eigene Wohnung, auch wenn er dafür seine Anschrift aufgeben muss, um die ihn sicherlich viele Borussia-Fans beneiden. Der "Fohlenstall" wird "Am Borussia-Park" errichtet, auf einem Grundstück 200 Meter weiter südwestlich, am Rand des riesigen Borussia-Areals.

"Natürlich kannst du groß bauen und 50 Plätze haben", antwortet Manager Max Eberl auf die Frage, warum Borussia nicht in denselben Dimensionen wie der FC Bayern (35 Plätze) oder RB Leipzig (50) plant. "Es geht aber nicht darum, das Ding vollzupumpen mit Spielern. Ich möchte schon, dass der Zwang da ist, sich Talente sehr genau anzuschauen." Bloß kein Durchlauferhitzer also. "Ich kann nicht allen 24 versprechen, dass sie Profi werden. Es geht um die zwei, drei, vier Top-Talente der jeweiligen Jahrgänge", gibt Eberl zu. Das immer mehr vom wirklichen Leben losgelöste Treiben im Nachwuchsbereich ist ihm ein Dorn im Auge. "Der Jugendfußball hat sich in eine Art Mini-Profifußball verwandelt - mit allen Vor- und Nachteilen", sagt Eberl. "Die ruhige Entwicklung von Talenten ist leider abhandengekommen."

Beim Spatenstich für den "Fohlenstall" betont er die gesellschaftliche Verantwortung. "Jeder Spieler, der im Profifußball auftaucht, ist ein Gewinn", sagt er. "Aber es ist auch der Spieler ein Gewinn, der Wirtschaftsingenieur geworden ist und sich durch den Fußball sein Studium finanzieren konnte." Das soll beileibe nicht heißen, dass Borussia nicht am liebsten ausschließlich Nationalspieler produzieren würde. Doch die Realität sieht eben anders aus. "Oben kann nur einer rechter Verteidiger spielen", sagt Eberl.

Zwei der Internatsbewohner kommen aus der Region: Yorke Ndombaxi, früher Alemannia Aachen, und Mika Schröers, der Cousin von Jannik Vestergaard. Zwei Jungs hat Borussia aus Berlin geholt (nicht von Hertha, sondern von Union und Zehlendorf), je einen vom Hamburger SV, vom 1. FC Kaiserslautern, von Eintracht Frankfurt, von der Tus Koblenz, vom 1. FC Frankfurt/Oder, und eben die beiden aus dem Ausland.

"Klein, fein und mit Qualität", fasst Eberl den Anspruch zusammen. Die letzten beiden Bestandteile bleiben, und hinter "klein" stecken ab 2018 doppelt so viele Träume vom großen Durchbruch.

Quelle: RP
 
 
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