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Christoph Kramer
"Es muss wieder knallen, wenn das Licht angeht"

Erstes Training in Marbella – Kramer zurück FOTO: Dirk Päffgen

Vor drei Wochen hatte sich Christoph Kramer scheinbar schwer am Knöchel verletzt. Jetzt ist er in Marbella wieder voll dabei und kann mit der Mannschaft trainieren. "Gegen Darmstadt bin ich bei 102,5 Prozent", sagt er.

Der 25-Jährige präsentiert sich guter Dinge. Auch ihm hat die Pause rund um Weihnachten und Silvester gutgetan. Im Gespräch mit den Medienvertretern im Teamhotel "Westin La Quinta" äußert sich Kramer über ...

... seine ersten Eindrücke von Dieter Hecking:

"Ich habe erst eine Einheit gemacht, aber die fand ich sehr gut. Auch was die Kollegen angeht, ist der Eindruck bislang rundum positiv. Er ist ein sehr, sehr netter Mensch. Jetzt nicht so, wie man das schon mal sagt und jeder weiß, was gemeint ist, sondern ich finde ihn wirklich sehr nett. Er macht fachlich einen super Eindruck. Von daher ist da eine gute Wahl getroffen worden, aber da habe ich von unserem Manager auch nicht anderes erwartet."

... über Unterschiede zur Zeit unter André Schubert:

"Ein bisschen haben wir den klassischen Trainerwechsel-Effekt, den man jetzt spürt. Es ist wieder Zug drin, da legt Dieter Hecking momentan sicher auch ein besonderes Augenmerk drauf. Im letzten Monat war alles etwas schleppend. Es war nicht mehr so richtig Zug drin. Nicht mehr dieser Power- und Umschaltfußball, für den Gladbach steht. Natürlich waren wir alle sehr müde. Da haben wir sicher auch den Fehler gemacht, dass wir uns das alles vom Kopf her zu sehr zu Herzen genommen haben, wenn wir gelesen haben, wie müde wir alle sind. Das hat sich dann so ein bisschen auf unsere Beine übertragen. Es waren also viele Gründe. Trotzdem müssen wir wieder da hinkommen, dass es knallt, wenn im Borussia-Park das Licht angeht. Das haben wir die letzten Spiele vermissen lassen."

... über die Pause:

"Erstmal tat uns die Pause gut. Da kann man runterkommen und vom Kopf her neu starten. Denn der ist in so einer Phase, in der wir zuletzt waren, besonders wichtig. Es ist kein Zufall, dass viele Mannschaften eine unterschiedliche Hin- und Rückserie spielen, obwohl es eigentlich nur eine zweiwöchige Pause ist. Aber die ist sehr wichtig: nicht so viel lesen, nicht so viel zweifeln. Und dann geht es im neuen Jahr für alle frisch los."

... das fehlende Selbstvertrauen:

"Selbstvertrauen kann man sich natürlich nicht einreden. Aber diese Belastung, die wir hatten, und die Zweifel, weil wir die Ergebnisse nicht hatten, fielen erstmal weg. Dann kommt ein neuer Trainer und die Karten werden neu gemischt. So hat man schon nach wenigen Tagen das Gefühl, es ist wieder alles beim Alten – beim guten Alten. Das ist für den Kopf sehr entscheidend. Ich bin mir sicher, dass man das auf dem Platz sehen wird."

... seinen Gesundheitszustand:

"Ich habe erstmals wieder mit der Mannschaft trainiert. Ich bin da auch eine kleine Mimose: Wenn ich ein bisschen was spüre, mag ich das nicht so. Es tut zwar nicht mehr weh, aber ich spüre es noch. Das wird mich jetzt noch so eine Woche begleiten, deshalb habe ich Tape um den Fuß. Es geht in eine sehr gute Richtung. Ich kann mich bei harten Trainingseinheiten nicht mehr rausreden. Gegen Darmstadt bin ich bei 102,5 Prozent."

... die Ziele für die Rückrunde:

"Wir sind gewarnt durch die Hinrunde und wissen, wie schnell es gehen kann. Deshalb müssen wir uns vor allem stabilisieren. Dann haben wir in zwei sehr attraktiven Pokalwettbewerben schwierige, aber machbare Aufgaben. Da wollen wir für Furore sorgen. Im Achtelfinale der Europa League waren wir noch nie. Das ist natürlich ein Ziel. Dann können wir ins Viertelfinale des DFB-Pokals einziehen. Es ist sehr attraktiv, was man so schnell auf anderen Wegen erreichen kann. Da wollen wir angreifen, aber das Kerngeschäft bleibt die Bundesliga.

... das Vermeiden der erneuten Müdigkeitsspirale:

"Ihr dürfte nicht so viel darüber schreiben. Da seid ihr in der Pflicht. (lacht) Man darf sich das einfach nicht einreden. Klar ist es schwer, alle drei Tage ein Spiel zu bestreiten. Auch vom Kopf her ist das eine Belastung, sich immer wieder hochzufahren, und dann nach einem Tag im Hotel abends um 21.05 Uhr voll da zu sein. Das ist nicht einfach, aber das darf auch keine Ausrede sein. Wir dürfen in Englischen Wochen nicht darüber fluchen, dafür werden wir bezahlt. Jetzt legen wir die Grundlage dafür, noch ein paar Englische Wochen spielen zu dürfen. Wir haben einen breiten Kader und das sollten wir hinbekommen."

... etwaige konditionelle Defizite:

"Nachholen müssen wir da nichts. Aber natürlich muss man in ein, zwei Wochen Winterpause etwas machen in der Richtung. Das bleibt ein Teil der Grundtugenden. Heutzutage wird viel von Taktik und Systemen geredet, die müssen aber richtig mit Fitness gefüllt sein. Ich habe heute angefangen. Die Kollegen haben schon von intensiven Tagen berichtet. Und das ist der richtige Weg."

... die taktische Flexibilität:

"Ich bin ein Fan davon, dass man sich immer auf den Gegner einstellt. Aber ich bin auch ein Fan davon, dass man in einem System richtig gut spielen kann. Alles ist auch erfolgsabhängig. In der vergangenen Spielzeit wurde Gladbach für seine Flexibilität unglaublich gelobt. Als in der letzten Zeit die Ergebnisse ausblieben, war das der Ansatzpunkt der Kritik. Mal haben wir es einfacher gemacht mit dem 4-4-2, dann wieder auf die Dreierkette geswitched. Ich finde es gut, wenn man wechseln kann. Vielleicht haben wir das irgendwann mal übertrieben. Aber das sollte man nicht zu einem so großen Thema machen. Ich bin schon der Meinung, dass André Schubert da immer die richtige und vernünftige Lösung gefunden hat. Aber es ist nicht einfach, in den Englischen Wochen neue Systeme ohne Training einzustudieren."

... über weitere Neuzugänge:

"Es kommt auch immer darauf an, wer bei uns zur Verfügung steht. Natürlich kann man jetzt sagen, wir könnten links und rechts noch zwei holländische Flügelspieler holen. Aber Patrick Herrmann und Ibrahima Traoré kommen ja auch irgendwann zurück. Wir haben quantitativ und qualitativ einen riesenguten Kader. Das steht und fällt immer mit dem Verletzungspech. Allgemein finde ich, dass wir jede Position zwei- bis dreimal besetzt haben. Ich weiß nicht, ob wir noch jemanden brauchen. Aber das muss ich zum Glück auch nicht entscheiden."

... über Unterschiede zu seiner ersten Gladbacher Zeit:

"Es ist keine Belastung für mich, aber es ist schon ein Unterschied, ob du ohne Ablöse aus Bochum kommst oder für 15 Millionen Euro Ablöse aus Leverkusen. Das verändert schon die Wahrnehmung. Zum Glück haben wir gleich die Champions League klargemacht. Da war die Ablöse keine Belastung mehr und ich war raus aus dem Schneider. (lacht) Natürlich war es mit Granit Xhaka anders als mit Mo Dahoud oder Tobi Strobl. Ich hatte auf der Doppelsechs schon die unterschiedlichsten Partner diese Saison, aber das ist ja nichts Schlimmes. Es macht mir mit allen viel Spaß, was ein bisschen verrückt ist, weil es kein so gutes halbes Jahr war. Aber ich fühle mich sehr, sehr wohl auf dem Platz und würde mich freuen, wenn wir ein paar Ergebnisse einfahren, damit ich mich noch wohler fühle.

... das Thema Nationalmannschaft:

"Ein Ziel war das noch nie, das war immer so ein Träumchen. Das habe ich mal erlebt. Ich weiß, wie schnelllebig das Fußballgeschäft ist. Es kann sein, dass der Bundestrainer mich nochmal einlädt, aber das habe ich jetzt nicht auf dem Schirm. Hätte mir einer gesagt, dass ich zwölf Länderspiele mache, hätte ich das sofort unterschrieben. Das habe ich gemacht, das Wichtigste war auch dabei. Von daher weine ich dem nicht hinterher. Was kommt, kommt. Was nicht kommt, kommt nicht."

 
 
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