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TV-Debatte in Frankreich
Le Pen und Macron liefern sich Duell in TV-Debatte

TV-Duell in Frankreich: Francois Fillon, Emmanuel Macron, Jean-Luc Melenchon, Marine Le Pen und Benoit Hamon. FOTO: ap, ME

Paris. Die fünf aussichtsreichsten Kandidaten für die Präsidentenwahlen haben sich erstmals in einer Fernsehdebatte gegenübergestanden. Vor allem für François Fillon stand viel auf dem Spiel.

Eine Stunde und fünf Minuten ließ sich Marine Le Pen Zeit, bevor sie zum Angriff auf ihren Hauptgegner ansetzte. "Herr Macron befürwortet den Burkini", sagte die Kandidatin des Front National (FN) an den Ex-Wirtschaftsminister gewandt. Der 39-Jährige, der in Umfragen für die erste Wahlrunde praktisch gleichauf mit der Rechtspopulistin liegt, war bis dahin in der ersten Fernsehdebatte der Präsidentschaftskandidaten am Montagabend blass geblieben. Doch die Attacke Le Pens weckte den unabhängigen Kandidaten auf. "Sie tappen in die Falle, die Gesellschaft zu spalten", erwiderte Macron. "Sie machen den Islam zum Feind der Republik."

Le Pens Umfeld hatte Macron bereits im Vorfeld als denjenigen benannt, gegen den sich die Angriffe der 48-Jährigen richten sollten. "Das gilt mir", sagte Macron zu mehreren Äußerungen Le Pens. "Ohne mich würden Sie sich langweilen." Der Schlagabtausch gab einen Vorgeschmack auf die Stichwahl am 7. Mai, in der Meinungsforscher die beiden Kandidaten sehen. Den Umfragen zufolge dürfte Macron mit 60 zu 40 Prozent gegen die FN-Chefin gewinnen.

Le Pen versuchte von Anfang an, der Debatte ihren Stempel aufzudrücken. "Ich will nicht die Vize-Kanzlerin von Angela Merkel sein", sagte Le Pen gleich in ihrem Eingangsstatement. Es blieb nicht die einzige Spitze gegen die Bundeskanzlerin. "Ich bin nicht einverstanden mit Emmanuel Macron, der die Flüchtlingspolitik von Frau Merkel gelobt hat", sagte der konservative Kandidat François Fillon zum Thema Einwanderung. Nach Angaben aus seinem Umfeld war der Sieger der Vorwahlen der Konservativen verärgert darüber, dass Merkel vergangene Woche Macron empfangen hatte.

Für den 63-jährigen Fillon stand viel auf dem Spiel. Gegen den früheren Regierungschef läuft ein Ermittlungsverfahren wegen der Scheinbeschäftigung seiner Frau Penelope und seiner Kinder als Parlamentsassistenten. Mit der Fernsehdebatte wollte der Kandidat sich nach "Penelopegate", das seine Umfragewerte absacken ließ, wieder einen Anstrich als Staatsmann geben. "Man muss zeigen, dass es nur einen gibt, der die Dimension eines Staatschefs hat und das ist Fillon", hatte sein Gefolgsmann Eric Ciotti vorab als Devise ausgegeben.

"Le Pen hat sich an den Panorama-Seiten berauscht"

Das Thema der Moral in der Politik stand ebenfalls auf der Tagesordnung, denn Fillon ist nicht der einzige Kandidat, der im Visier der Justiz ist. Auch gegen Le Pen wird wegen Scheinbeschäftigung im Europaparlament ermittelt. Die Tochter von FN-Gründer Jean-Marie Le Pen weigerte sich allerdings, vor den Wahlen zum Verhör zu erscheinen. Doch nur der Linkspopulist Mélenchon ergriff die Gelegenheit, Fillon und Le Pen dafür auch an den Pranger zu stellen.

Der wortgewaltige Mélenchon war auch derjenige, der im Duell der beiden Kandidaten des linken Lagers am besten abschnitt. Gegen ihn wirkte der Sozialist Benoît Hamon, der in Umfragen auf rund zwölf Prozent abgesackt war, eher unscheinbar. In Sicherheitsfragen teilte allerdings auch Hamon gegen Le Pen aus, der er vorwarf, "sich an den Panorama-Seiten der Zeitungen berauscht zu haben", als die FN-Chefin vor der Unsicherheit in Frankreich warnte.

Für Macron war es die erste große Fernsehdebatte überhaupt, bei der er gleich beweisen musste, dass er dem Präsidentenamt gewachsen ist, obwohl er noch nie in ein politisches Amt gewählt wurde. Laut einer am Sonntag veröffentlichten Ifop-Umfrage sind nur 48 Prozent der Franzosen der Ansicht, dass der 39-Jährige die Statur eines Präsidenten hat.

Insgesamt sind elf Kandidaten für die Wahlen am 23. April und 7. Mai zugelassen. Eine am Montag veröffentlichte Umfrage des Instituts Opinionway ergab in der ersten Runde 27 Prozent für Le Pen, 23 für Macron und 18 für Fillon.

(RPO)
 
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