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Xanten
Schüler lernen selbstständiges Lernen

Xanten. Bei einem einwöchigen Projekt "Eigenzeit" lernten Stiftsgymnasiasten neue Arbeitsformen kennen.

Die Fünftklässler am Xantener Stiftsgymnasium geraten regelrecht ins Schwärmen: Sie haben gerade eine spannende Projektwoche erlebt, die sich von anderen schulischen Veranstaltungen deutlich unterscheidet. Mit dem Pilotprojekt "Eigenzeit" wurden die Schüler an neue Lernformen herangeführt.

Der Name ist Programm: Es gibt eigene Lern-Zeit, die es nach eigenen Vorgaben zu nutzen gilt. Das Projekt an sich hat eine längere Vorbereitungszeit hinter sich und erforderte für das Kollegium am Stiftsgymnasium eine mehrjährige Fortbildung an der Deutschen Schulakademie. "Wir haben Ideen bekommen, wie sich die altbekannten Raum-Zeit-Strukturen an einer Schule und in einer Klasse aufbrechen lassen", sagt Niklot Sevecke. Der 48-Jährige unterrichtet Biologie und Deutsch. Mit 15 Kollegen ist er maßgeblich an der Durchführung des Projektes beteiligt. In zusätzlichen Arbeitseinheiten hat jeder Kollege seinen fachlichen Beitrag beigesteuert.

Ziel der von der Schulkonferenz beschlossenen "Eigenzeit" ist die besondere Förderung der Selbstständigkeit der Gymnasiasten. "Wir haben ein Jahr lang diszipliniert an dem Konzept gearbeitet." In akribischen Arbeitsschritten hat Sevecke mit den beteiligten Kollegen ein den vorgeschriebenen Lerninhalten entsprechendes Arbeitsheft zusammengestellt. "Die Klasse arbeitet mit diesem Heft. Die jeweiligen Sozialformen wie Gruppenarbeit oder Arbeit zu zweit haben die Lehrer im Vorfeld ausgewählt", so Sevecke.

"Der Mond" lautete das Thema, unter dem verschiedenste Unterrichtsfächer und die drei Aufgabenpakete "Wird vom Menschen erobert" und "Regt die Fantasie an" sowie "Beeinflusst das Leben auf der Erde" gebündelt wurden. Fachlehrer erteilten dazu den fächerübergreifenden Unterricht in den Bereichen Mathematik, Englisch, Deutsch, Kunst und Musik. Um Mathe ging es zum Beispiel in den Basis- und Bonusaufgaben bei der Berechnung von Entfernungen und Geschwindigkeiten.

Die Fünftklässler, die erstmals mit einer "Eigenzeit" konfrontiert wurden, zeigten sich motiviert und interessiert. "Einfach cool, wenn wir selber entscheiden, was wir machen", sagen Merle und Sophia. Für Selma ist das Arbeiten in der Gruppe toll: "Ich wünsche mir nach dem Projekt, dass wir auch in der Klasse mehr Gruppenarbeit machen."

In den Klassen wurde schnell intensiv gearbeitet, so das überaus positive Fazit der Lehrer. Ausgemacht haben sie das unter anderem am Geräuschpegel, der gegen Null gegangen sei. Willkommen waren den 86 Fünftklässlern auch die kreativen Momente. "Wir haben viel über den Mond und die Planeten erfahren", erzählen Merle und Sophia und halten ihr Planeten-Modell hoch.

"Jetzt werden wir das Projekt evaluieren, die Erfahrungen der beteiligten Kollegen, aber auch der Eltern sammeln", erläutert Sevecke den nächsten Arbeitsschritt. Gerade für die Eltern sei ein solches Projekt neu. "Sie haben noch eine ganz andere Form von Unterricht erlebt." Auch die beteiligten Lehrer machten neue Erfahrung, wie Pädagogin Dagmar Roters beobachtete. Kontrollierte Lernprozesse entfallen. Selbstbestimmtes Lernen der Fünftklässler setze "Loslassen" von bewährten Unterrichtsformen voraus. Das Projekt "Eigenzeit" jedenfalls wird mit weiteren Arbeitsmaterialien, die das Kollegium des Stiftsgymnasiums intern entwickelt, stufenweise fortgeführt.

Quelle: RP
 
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