Tönisvorst Das lange Warten auf Möbel und Co.

Tönisvorst · Wer sich als Sozialleistungsempfänger einrichtet, wartet oft lange. Die FDP fordert Verbesserungen, der Kreis spricht von Einzelfällen

 Walled Shekh-Hasan freut sich über seine erste Wohnung. Noch mehr würde sich der junge Syrer freuen, wenn er auch Möbel hätte. Dafür hat er Gutscheine - und wartet seit Anfang Juli auf die Einrichtung.

Walled Shekh-Hasan freut sich über seine erste Wohnung. Noch mehr würde sich der junge Syrer freuen, wenn er auch Möbel hätte. Dafür hat er Gutscheine - und wartet seit Anfang Juli auf die Einrichtung.

Foto: Achim Hüskes

Für die Kreis-FDP bleibt die möglichst schnelle Möbel-Ausstattung für Flüchtlinge ein Thema. Ein Beispiel ist der Syrer Walled Shekh-Hasan. Er hat nach Anerkennung seines Asylantrags zwar eine Wohnung in Tönisvorst bezogen, doch die Möbel fehlen. Seit Anfang Juli hat er sich um Einrichtungsgegenstände bemüht, war immer wieder in deutscher Begleitung in der Viersener "Kaufbar". Die Miete für eine leere Wohnung muss trotzdem gezahlt werden. "Eigentlich sollten die Möbel am schon da sein, doch ich warte immer noch", sagt der junge Syrer.

Für Birgit Koenen (FDP), sachkundige Bürgerin im Kreis-Ausschuss für Gesundheit, Soziales und Seniorenarbeit, ist dies ein Beispiel dafür, wie das Verfahren nicht ablaufen sollte. "Die Gutscheinregelung für Bezieher von Sozialleistungen sollte überdacht und verbessert werden", fordert die FDP-Politikerin.

Aktuell fallen 600 Menschen im Kreis Viersen, die Sozialleistungen beziehen, unter die Gutscheinregelung. Aber: "Die Zahlen verändern sich laufend und nehmen mit einer weiteren Anerkennung von Asylbewerbern stetig zu", erklärt Markus Wöhrl, Sprecher des Kreises Viersen. Lange Wartezeiten seien die Ausnahme, meint Wöhrl: "Probleme sind dem Kreissozialamt nur in einem Fall zugetragen worden." Im Kreis Viersen erhalten Empfänger von Sozialleistungen nach dem Prinzip "Sachleistung vor Geldleistung" Gutscheine, wenn sie erstmals einen Hausstand gründen. Dies gilt auch für anerkannte Asylbewerber, denen nach dem Aufenthalt in einer Flüchtlingsunterkunft beim Umzug oft alles fehlt - vom Bett bis zum Schrank.

Durch die Gutscheinregelung sollen, so Sozialdezernentin Katarina Esser, "die Erstausstattung auf dem schnellsten und für die Hilfeempfänger komfortabelsten Weg zur Verfügung gestellt werden". Neben dem neuen Partner Diakonie arbeitet der Kreis Viersen zudem mit der Viersener "Kaufbar", Möbelhaus Busch und Tochterfirma Trendwerk zusammen. Diese Partner müssen innerhalb der Kostengrenzen nicht nur eine Wohnungseinrichtung und Haushaltsgegenstände stellen, sondern diese auch liefern und montieren. "Speziell bei Elektrogeräten kann auf fachgerechte Montage und Anschluss nicht verzichtet werden", betont Dezernentin Essser. Ein Single kann für eine Erstausstattung Gutscheine im Wert von 2000 Euro nutzen, für zwei Personen gibt es 2300 Euro, für jeden weiteren Mitbewohner kommen 500 Euro hinzu.

In dem Viersener Gebrauchtwarenkaufhaus Kaufbar will man nachbessern. "Ja, es gab Probleme mit langen Wartenzeiten", sagt Hans Josef Kampe. Dies sei erkannt worden. "Auch für uns war es eine neue Aufgabe", sagt der Ehrenamtler. Der ursprüngliche Auftrag der Kaufbar sei, arbeitslosen Menschen eine geregelte Beschäftigung zu verschaffen und sie perspektivisch für einen Job zu qualifizieren.

Während die Kreis-FDP eine stärkere Einbeziehung von örtlichen Flüchtlingsinitiativen und Möbellagern bevorzugen würde, sieht Katarina Esser darin Probleme: "Die Partner müssen eine komplette Einrichtung stellen können, diese zudem liefern und montieren." Diese Anforderungen könnten Ehrenamtler nicht vollständig erfüllen.

Und Walled Shekh-Hasan? Er sitzt noch immer in einer leeren Wohnung und wartet auf den großen Transporter, der seine ersten Möbel bringt.

(busch)
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