Radevormwald Coverband "Jokebox" löst sich 2018 auf

Radevormwald · 27 Jahre nach ihrer Gründung gibt Ralf Becker das Ende der bergischen Kultband bekannt. Die Bandmitglieder hätten immer mehr andere musikalische Verpflichtungen. Außerdem zieht sich auch Managerin Conny Windt zurück.

 Nicht nur auf der Dhünner Kirmes gehörten sie zu dem Stimmungsgaranten: "Jokebox" - hier mit (v.l.) Verena Köplin, Ralf Becker, Jenny Rizzo und Bassist Jörg Kröck, löst sich Ende 2018 auf.

Nicht nur auf der Dhünner Kirmes gehörten sie zu dem Stimmungsgaranten: "Jokebox" - hier mit (v.l.) Verena Köplin, Ralf Becker, Jenny Rizzo und Bassist Jörg Kröck, löst sich Ende 2018 auf.

Foto: Jürgen Moll

Die Entscheidung fällt ihm sichtlich schwer. Aber sie sei gut durchdacht, sagt Ralf Becker. Ende 2018 spielt die Coverband "Jokebox" ihr letztes Konzert, gibt der Bandgründer bekannt. Ein Jahr lange wolle "Jokebox" noch mal richtig Gas geben. "Aber dann ist Schluss", sagt Becker. Und das vor allem aus drei Gründen: Sechs der acht Musiker spielen inzwischen auch in anderen Formationen. Der Zeitplan wird enger, und so muss die Band immer öfter auf "Aushilfen" zurückgreifen. "Aber das ist dann nicht mehr Jokebox", sagt Ralf Becker. Die Qualität verändere sich, das Publikum nehme die ständigen Veränderungen wahr. "Und deswegen wollen wir jetzt aufhören, wo wir noch einen Namen haben", erklärt er.

Hinzu kommt, dass sich auch Managerin Conny Windt aus persönlichen Gründen weiter zurückziehen muss. Sie habe sich bisher um so viele Dinge hinter den Kulissen gekümmert. "Das können wir unmöglich auffangen", sagt Becker. Bewerbungen, Buchungen, Werbung, die Prüfung der Veranstaltungsorte: Conny Windt war über Jahrzehnte die gute Seele hinter den Kulissen.

Bandgründer Ralf Becker wirft noch einen dritten Grund in die Waagschale: "Teile der Band wollten nicht mehr unplugged spielen", sagt er. Seit 2002 spielt die Band einmal im Jahr, unterstützt von einem siebenköpfigen Streicherensemble, mit dem natürlichen Klang der Instrumente in der Katt. Ein eigenes Programm. Stücke, die "Jokebox" danach so gut wie nie laut spielte. Das Publikum war begeistert. Und Ralf Becker freute sich, dass "Jokebox" sich neuen Projekten widmete. Allerdings fand das Projekt in der Band immer weniger Zustimmung.

"Ich habe schon vor fünf Jahren mal darüber nachgedacht, die Jokebox-Geschichte zu beenden", sagt Becker, "die Zeiten haben sich einfach geändert." Damals machte er weiter, die Band auch. Aber bereits vor einem halben Jahr diskutierten die Musiker die Auflösung. Ende nächsten Jahres spielt die Coverband "Jokebox" dann ihr Abschiedskonzert - wahrscheinlich in der Katt. Ehemalige Musiker und Sängerinnen könnten dann mit "Jokebox" auftreten und auch befreundete Sänger, die zum Duett gebeten werden könnten. Denn Ralf Becker und Keyboarder Peter Schlett, der auch zu den Gründern gehörte, sind in den vergangenen 27 Jahren vielen Musikern begegnet. 850 Konzerte hat "Jokebox" gespielt.

"Das war anfangs überhaupt nicht absehbar", sagt Ralf Becker. Mit einem Projekt begann die Jokebox-Zeit 1990. Man habe die Musik der Rockgrößen auf die Bühne bringen wollen - in großer Besetzung. Immer waren sechs bis acht Musiker auf der Bühne. Ralf Becker und zwei Sängerinnen stehen bis heute in der ersten Reihe. "Nur so hatten wir auch die Möglichkeit, alles zu spielen, was wir uns vornahmen." Und das gefiel den Menschen. Erst zehn Jahr später wurde der Begriff "Covermusik" überhaupt bekannt, aber "Jokebox" spielte sie schon. Die Band füllte Säle, das Publikum feierte. Nach den Konzerten hätten die Musiker völlig fassungslos im Kreis gestanden und sich auf die Schultern geklopft und danach noch bis drei, vier Uhr in der Kneipe gefeiert. "Das waren unglaubliche Zeiten", erinnert sich Becker. Es gab keine Konkurrenz. Damals sei es gar nicht so einfach gewesen, Auftrittsorte im Bergischen zu finden. "Jokebox" fand sie trotzdem - erst in Remscheid, dann in Wermelskirchen, seit vielen Jahren inzwischen in der Katt. "Wir wollten immer weiter, weiter, weiter", sagt Becker. Musiker und Sänger verließen die Band - mal aus musikalischen, mal aus privaten Gründen. "Aber wir blieben Jokebox", sagt der Sänger.

Im nächsten Jahr hat die Band noch viel vor: das große "Classic meets Pop"-Konzert in Dabringhausen (siehe Kasten), aber auch viele Auftritte in der Region. "Und ich will ja nicht aufhören, Musik zu machen", sagt Ralf Becker. Er wolle mal sehen, welche Wege sich auftun würden. Die Unplugged-Reihe sei ihm wichtig, die wolle er fortsetzen. "Und ich habe da so eine Swing-Idee mit Bläsern", sagt er.

Den Namen "Jokebox" aber wird es dann nicht mehr geben. Eine Ära geht zu Ende.

(RP)
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