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Nettetal
Nur noch wenige Bauern in Bocholt

Nettetal. Auch der Zweite Weltkrieg kam ins Spiel, als der Heimatverein "Stammtischrunde" vor einiger Zeit über Bauernhöfe in Bocholt zwischen 1940 und 1960 sprach. Heute werden hier aber nur noch wenige Höfe bewirtschaftet.

Das Buschwerk ringsum und die Hanglage nach Südwesten waren ideale Voraussetzungen, während des Zweiten Weltkrieges in Oberbocholt Stellungen für Flugabwehrkanonen (Flak) und Bunker zu bauen. Allerdings wurde die Honschaft damit auch zum Ziel von Bomben. Alliierte Flugzeuge warfen sie dort ab, um diese Geschütze zu zerstören. Außerdem hatten sie das Ziel, auch die nah vorbeiführende Bahnlinie Lobberich-Grefrath zu treffen. Das kam zur Sprache, als sich der Heimatverein "Stammtischrunde" über Bauernhöfe in Bocholt unterhielt, die es zwischen der Süchtelner Landstraße und Bahnlinie in den 1940er- bis 1960er-Jahren gegeben hat.

Bis vor wenigen Jahren waren noch Betonquader eines Bunkers in einem Feld am Berg östlich der Landstraße nach Grefrath zu sehen. Nur wenige hundert Meter entfernt lag oben auf dem Berg die Gärtnerei Wilhelm Pollmanns. Sie wurde am 1. Juni 1942 durch ein abgestürztes Flugzeug teilweise zerstört. Einsam auf dem Kamm am Talkirchweg nach Süchteln liegt ein Wohnhaus, das auf den Fundamenten einer Flak-Unterkunft errichtet wurde. Seine Bewohner Wilhelm Tobrock, von Sierstorff und Werbeagentur Indesign/Formmad brachte Altbauer Jakob Mevissen auf die Formel "Fotograf - Graf - Grafiker".

Der einzig noch "aktive Bauernhof" in Oberbocholt ist der Betrieb von Mevissen mit einem Jakob in der 6. Generation. Er hat die Schweinezucht allerdings ausgelagert ins freie Feld zwischen Niederbocholt und Landstraße nach Grefrath. Verpachtet oder verkauft sind die Ländereien von Tobrock (Schieflershof), Zerres (Weinert), Schönkes (Kauerz) und Küppers (Pascherhof). Die Höfe wurden zu Wohnhäusern umgestaltet.

Ähnliches ist in Niederbocholt passiert. Aktiv gewirtschaftet wird noch auf dem Drouvenhof (Andreas Wolfers) und dem Bröckelshof (Peter Wienen). Landwirtschaft im Nebenerwerb betreiben noch Johannes Gorißen (Köneshof) und Johannes Cloerkes (Müllershof), dessen Stallungen von Gerhard van der Beek genutzt werden. Er hat ein zweites Standbein als landwirtschaftlicher Sachverständiger - seine Mutter Käthe ist ein wandelndes Lexikon für verwandtschaftliche Beziehungen unter den Bauern. Der Pauelshof (Kessels/Ix), der Dörkeshof (Brückels) und der Hegholzhof (Lendackers) sind Wohnungen. Flächen an der Heerstraße nutzen die Gartenbauer Drabben und Strötges.

Zwei der "Vierhöfe" am südlichen "Eingang" von Bocholt (von der Dornbuscher Straße her) werden noch voll bewirtschaftet: der Gartzhof von Gerhard van der Beek und der Hof Bex, der im Gegensatz zu anderen Höfen rings um die Burg Bocholtz "immer ein freier Hof war", wie Senior Matthias Bex betonte. Die Ländereien des Stiegerhofes (Arthur van der Beek), zu dem einst auch die Ringofenziegelei in der Nähe gehörte, sind verpachtet. Auf dem Anwesen Tillen (Bocholt 2) hat heute der Tierarzt Hartmann seine Praxis. Und die Burg Bocholtz selbst? Sie ist heute Event-Location, nachdem die Landwirtschaft (Heinrich Zanders) in den 1980er-Jahren aufgegeben wurde. Achtmal wechselte die Burg in den letzten 100 Jahren den Besitzer.

Der Berendalshof an der Landstraße nach Grefrath war früher unter "Bocholt 51" zu finden, heute hat er die Adresse "Am Schlibecker Berg 1". Die Vorfahren von Karl-Heinz Strötges haben in die Familie Birker eingeheiratet, die bis Ende des 19. Jahrhunderts auch eine Gaststätte betrieb. Hier wurden Pferde gewechselt, wenn schwere Lasten über den Schlibecker Berg zu karren waren.

Ein Dröppke konnten Reisende aber auch noch 300 Meter weiter bei "Lemmen am Berg" trinken. Solarstrom wird heute auf den Scheunendächern der Höfe Ophoves und Gartz im Oberen Heidenfeld erzeugt, das Ackerland ist verpachtet. Nach wie vor bewirtschaftet Josef Langen mit seiner Baumschule etliche Hektar.

Quelle: RP
 
 
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