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Nettetal
Denkmaltag erinnert auch an Kriegstote

Nettetal. Der Verkehrs- und Verschönerungsverein bereitet eine Ausstellung in der Alten Kirche vor.

Erich Amberg verlor im Alter von 19 Jahren während des Zweiten Weltkriegs als Gefreiter in einer Luftwaffeneinheit sein Leben. Bei einem Übungsflug im Westen wurde er von feindlichen Jägern abgeschossen. Johann Kronenbrock wurde beim Einmarsch der Amerikaner durch Artilleriebeschuss getötet. Das rote, 170-seitige Buch zum Gedenken an die Opfer der Nationalsozialisten und des von ihnen begonnen Krieges zu lesen, kostet Zeit und geht unter die Haut. Hermann-Josef Müller und Ralf Schmeink haben es zwar bereits im Jahr 2007 verfasst und aufgelegt, doch ist es heute schon in der vierten Auflage in der Medienreihe des Vereins "Lobberland" erschienen.

70 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges sind Bücher und Dokumente nicht nur lesenswert, sie interessieren auch Menschen, die unmittelbar dazu Bezüge haben. In dem Buch sind 412 Totenzettel und Anzeigen von Opfern des Zweiten Weltkrieges gesammelt. Die Opfer haben sehr unterschiedliche Lebenswege gehabt und verloren auch aus unterschiedlichen Anlässen ihr Leben. Es handelt sich um Opfer des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkriegs, die Lobberich zu beklagen hat. Männer ließen während des Krieges bei Kampfhandlungen ihr Leben oder sie starben an von Nachwirkungen des Krieges. Wiederum andere starben an Kriegseinwirkungen, mit denen sie ursächlich nichts zu tun hatten. Die Totenzettel berichten von drei Lobbericher Frauen, deren Schicksale unter die Haut gehen. In kurzen, knappen Sätzen lassen sie sich auf den Totenzetteln nachlesen.

"Das ist keineswegs ein Heldenbuch, auch wenn sich die Totenzettel oftmals so lesen", sagt Werner Backes vom Verkehrs- und Verschönerungsverein (VVV) Lobberich. Der Verein bereitet zum Tag des Denkmals am Sonntag, 13. September, eine Ausstellung sowie Vorträge in der Alten Kirche vor.

Unter den Totenzetteln gibt es auch Nachrichten jüdischer Opfer. Da ist beispielsweise der Lobbericher Arthur Zanders, der 1941 wegen seines jüdischen Glaubens deportiert wurde und im Lager in Riga starb. Die Totenzettel erinnern auch an die Toten des Einschlags einer V-1-Rakete im Lobbericher Zentrum. Damals starben unter vielen anderen Christa Geppert und der Dülkener Karl Fürwentsches, der sich zum Zeitpunkt des Absturzes in Lobberich aufhielt.

Auf vielen Totenzetteln ist "Vermisst" vermerkt. Das Schicksal dieser Menschen war lange, bei vielen ist es bis heute unerforscht und nicht bekannt. So erreichte der letzte Brief von Gottfried (Friedel) Götzkes seine Heimat Lobberich kurz vor Kriegsende. Danach gilt er als "im Osten vermisst". Für heutige Zeiten ist nur schwer vorstellbar, dass die Todesnachricht seinerzeit mit dem Begriff "heldenhaft" verbunden wurde. Das gilt beispielsweise für die Geschichte, die sich hinter dem Tod des Unteroffiziers Werner Growe verbirgt. Er starb, so steht es zu lesen, im Alter von 26 Jahren in harten Kämpfen gegen Rebellen in Griechenland den "Heldentod". "Hart und unerbittlich griff das Schicksal in unser Leben ein und zerstörte unser junges Glück", ist zu lesen. Oft steht geschrieben: "Für Ehre, Volk und Vaterland. Ich starb für Dich". Nur selten steht der schlichte und doch so aussagekräftige Satz "im Krieg geblieben" auf Zetteln.

Zum Tag des offenen Denkmals werden in den Stadtteilen Nettetals Ausstellungen gezeigt, Vorträge gehalten und Führungen angeboten, wie in der Alten Kirche, wo auch der Verkehrs- und Verschönerungsverein Hinsbeck informiert. Ein Gottesdienst im Kreuzgarten in Schaag und eine geführte Fahrradtour in Kaldenkirchen entlang von zehn Gedenkstätten sowie eine Führung im Alten Kirchturm in Breyell sind Teile des Programms.

Quelle: RP
 
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