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Korschenbroich
In Pesch gibt es die meisten FDP-Wähler

Pesch wählt Gelb: Im Korschenbroicher Stadtteil gab es bei der Bundestagswahl die meisten FDP-Wähler im Stadtgebiet. FOTO: Ruth Wiedner-Runo

Korschenbroich. Der Korschenbroicher Stadtteil wählt Gelb. Das ist nicht neu: Doch bei der Bundestagswahl war es besonders ausgeprägt. 21,8 Prozent stimmten für die Lindner-Partei. Wir sahen uns gestern vor Ort um. Ein Stadtteil-Besuch.

Es ist Freitagvormittag: Ruhig und adrett präsentiert sich der beschauliche Vorort. Doch als Vorort von Korschenbroich verstehen sich die 830 Pescher längst nicht. Sie bilden eine Einheit - und das seit mittlerweile 754 Jahren. Auf den Straßen sind nur wenige Menschen anzutreffen, und die, die man sieht, kehren Blätter weg, hübschen den Vorgarten auf oder führen ihren Hund aus. Ganz anders ist es beim Bäcker: Da geht's zu wie im Taubenschlag.

Freundlich reicht Nicole Hausmann frische Brötchen und duftenden Kuchen über die Ladentheke. Man kennt sich. Die meisten sind Stammkunden. "Die Menschen hier sind ausgesprochen freundlich und hilfsbereit", sagt die Fachverkäuferin. Und auch die FDP-Stadtverbandsvorsitzende Hanne Wolf-Kluthausen schwärmt von den Brötchen aus Pesch - aber mehr noch vom guten Bundestagswahlergebnis ihrer Partei. Der Norden Peschs ist äußerst meinungsfreudig: Dort lag die Wahlbeteiligung bei 88,4 Prozent. In Pesch (Bezirk 320) gibt es mit 21,8 Prozent die meisten FDP-Wähler: 13,1 Prozent unterstützten den Direktkandidaten Otto Fricke. Im Vergleich: Für Ansgar Heveling (CDU) stimmten 52,3 Prozent, für die CDU 43,3 Prozent.

Er setzt auf die FDP als Union-Partner in Berlin: Peter Bednarzyk (82), früheres CDU-Ratsmitglied. Ruth Wiedner-Runo

"Pesch ist für uns eine Hochburg", sagt dann auch Hanne Wolf-Kluthausen. Und ergänzt: "Wir konnten seit der Landtagswahl noch einmal 0,5 Prozentpunkte drauflegen." Sie spricht vom Lindner-Schub. Sieben neue Mitglieder kann sie seit Jahresanfang im Stadtverband vermelden. Insgesamt hat der FDP-Stadtverband jetzt 40 Mitglieder. Warum nicht mehr? Eine Frage, die sich die FDP-Frontfrau immer wieder stellt: "Es ist schwierig, die Menschen zu binden. Sie wollen sich nicht festlegen lassen." Das erfährt auch Nicole Hausmann von ihrem Chef. Ein Foto mit der FDP-Ratsfrau darf im Laden nicht gemacht werden - nur vor der Türe.

Dass in Pesch so viele die Liberalen wählen, erstaunt Josef Kamp (65) nicht: "Wir haben ganz viele Unternehmer im Ort." Kamp, selbst CDU-Mitglied und Kassierer der Pescher Dorfgemeinschaft, wünscht sich für Berlin ein Bündnis von CDU, FDP und Grünen. "Die FDP als Partner im Bund brauchen wir", sagt auch der frühere CDU-Ratsherr Peter Bednarzyk (82), der regelmäßige den "Aachener Stuten" in Pesch einkauft. Peter Stiller ist vielen vom Korschenbroicher City-Lauf bekannt: Über viele Jahre hat er dort das Führungsfahrzeug gesteuert. Er ist ein bekennender Pescher und ein "treuer CDU-Wähler", allerdings gibt er auch offen zu: "Dieses Mal habe ich leicht geschwankt." Durch Stadtrat und Bürgermeister fühlt er sich in Korschenbroich gut vertreten. "Hier im Ort stimmt die Dorfgemeinschaft. Und die Nachbarschaft sowieso."

Im Gespräch: Bäckereifachverkäuferin Nicole Hausmann und FDP-Politikerin Hanne Wolf-Kluthausen. Ruth Wiedner-Runo

Diese Ansicht vertritt auch Adelheid Sürth (61). Sie ist eine Ur-Pescherin, lebte allerdings mit ihrem Mann berufsbedingt 20 Jahre in der Nähe von Innsbruck. "Wir sind seit zwei Jahren zurück, genießen die Ruhe auf dem Land und das Dorfleben." Gewählt hat sie auch: "Selbstverständlich" - aber was, das verrät sie nicht.

Quelle: NGZ
 
 
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