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Gemeinde Grefrath
Hommage an ein verkanntes Instrument

Der Hamburger Musiker und Kabarettist, der zusammen mit Käthe Lachmann, Hennig Venske und Jochen Busse auftrat, ist seit 2012 auch als Solist unterwegs. Jetzt kam er zum ersten Mal nach Grefrath. FOTO: Kippling Phillips

Gemeinde Grefrath. Der Akkordeon-Musiker und Kabarettist Frank Grischek kam jetzt zu einem Konzert in die Grefrather Buchhandlung. Die Gäste waren von den musikalischen Fähigkeiten des Hamburgers begeistert.

Das Akkordeon ist ein völlig unterschätztes Instrument. Das steht nach einem Abend mit Frank Grischek fest. In der Grefrather Buchhandlung von Karl Groß trat der 46-jährige Musiker jetzt in der Reihe "Kultur am Montag" auf und zeigte, was die "Quetschkommode" abseits der Volks- und Marschmusik kann, vor allem, wenn sie von einem solch virtuosen Musiker gespielt wird.

Nicht umsonst trägt das Soloprogramm des Hamburgers den Untertitel "Liebeserklärung eines Miesepeters an ein verkanntes Instrument" und nicht zufällig fällt Grischek über Florian Silbereisen und Co. her, die seine geliebte "Borsini Superstar" in die Volksmusikecke gedrängt haben. Die Zuhörer horchen auf, als Frank Grischek den "Tango pour Claude" von Richard Galliano auf seinem Akkordeon spielt, französische Chansons, Walzer und Irischen Folk zum Besten gibt.

Im krassen Gegensatz zu dem mit viel Gefühl spielenden Musiker, steht der Kabarettist Frank Grischek. Der erzählt, er spiele nur deshalb Akkordeon, weil er trotz Abitur nichts anderes könne, aber auch aus therapeutischen Zwecken für sich selbst. "Ich will meine Selbstzweifel besiegen", erklärt Grischek. Als Straßenmusiker habe er es schwer, die Konkurrenz aus dem Osten sei zu groß. "Die Passanten schmelzen dahin, wenn sie russische Musik hören", sagt der Kabarettist. Aber meisten reiche ein Anruf beim Finanzamt, um die unliebsame Konkurrenz auf der Straße los zu werden.

Und dann spielt Grischek ein Potpourri aus russischen Volks- und Kosakenliedern, und zwar "mit russischer Seele und russischer Sehnsucht", wie er selber sagt. Es funktioniert tatsächlich: Die Zuhörer schmelzen dahin, und kaum sind die ersten Töne von "Kalinka" erklungen, fallen sie in den Rhythmus ein, klatschen und wippen begeistert mit.

Dass Karl Groß Frank Grischek in seine kleine Buchhandlung, in der nur 50 Gäste Platz haben, geholt hat, ist ein Geniestreich, denn Grischek ist längst kein Unbekannter mehr. Zahlreiche Auftritte hat er mit Henning Venske und Jochen Busse gemeistert, hat sich als Piano-Akkordeonist und Solokünstler einen Namen gemacht, und Dieter Hildebrandt hat ihm das Prädikat "hinreißend beleidigter Akkordeonkünstler" verliehen.

Mit seinem Programm "Der kann das", das dem Publikum eine gelungene Mischung aus besonderem Konzertgenuss und lockerem Kabarett bietet, tourt der Mann aus Hamburg seit drei Jahren durch die Republik. Auch bei der Lach- und Schießgesellschaft München und im Bonner Pantheon ist der 46-Jährige bereits aufgetreten.

Übrigens werden auch die Freunde der deutschen Kinder- und Volksmusik in Grefrath nicht enttäuscht. In die Pause entlässt der Künstler sein Publikum mit einem Medley sondergleichen. "An der Nordseeküste" ist herauszuhören, "Hänschen klein", "Fuchs, du hast die Gans gestohlen" und weitere "Hits". Dass den Zuhörern auch diese mit viel Ironie vorgetragene Mischung gefällt, zeigt sich nach der Pause: Alle 50 Stühle sind wieder besetzt, und die Stimmung ist bestens.

Quelle: RP
 
 
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