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Kaarst
Neues Ikea-Grundstück: Archäologen suchen Straße

Wissenschaftler untersuchen den Boden des Plangebiets. FOTO: lber

Kaarst. Gibt es womöglich eine römische Straße, die unter dem schweren Ackerboden des geplanten neuen Ikea-Geländes am Kaarster Kreuz verschütt liegt? Momentan sind es reine Vermutungen, die die Fachleute von der Abteilung Bodendenkmalpflege beim Landschaftsverband Rheinland (LVR) hegen.

Völlig aus der Luft gegriffen sind die aber nicht, denn – dass eine Verkehrsverbindung von Neuss ins Maas-Gebiet über Kaarst existierte, ist eine erwiesene Tatsache.

Direkt an der A 57, an der Ausfahrt Holzbüttgen, haben Archäologen im Sommer 2010 unter anderem rund zehn meist gut erhaltene Münzen in der Trasse einer römischen Straße sowie in Brand- und Urnengräbern einer am Rand dieser Straße gelegenen römischen Siedlung gefunden. Die Experten datierten die Reste des Verkehrswegs auf das erste bis dritte nachchristliche Jahrhundert. Eigentümerin des Grund und Bodens war seinerzeit der Landesbetrieb "Straßen.NRW", der vor der geplanten Fahrbahn-Erweiterung zunächst den Wissenschaftlern den Vortritt lassen musste. Im Zusammenhang mit der Flächennutzungsplanänderung für das Gewerbegebiet am Kaarster Kreuz muss die Stadt als Eigentümerin jetzt dasselbe tun.

Die Einbeziehung des Landschaftsverbandes als Träger öffentlicher Belange ist bei Bauvorhaben einer Kommune vorgeschrieben. Für das südliche "Hüngert II"-Plangebiet, also für "Ikea", sagt Elisabeth Marks vom Bereich Bodendenkmalpflege, stehen die Untersuchungen noch immer aus. Ein Abstimmungsgespräch mit der Verwaltung hat bereits stattgefunden. "Als Nächstes", sagt Marks, "muss die Stadt eine auf archäologische Grabungen spezialisierte Fachfirma beauftragen." Die Experten werden das Gelände zunächst systematisch begehen und nach augenscheinlichen Anhaltspunkten auf mögliche Funde suchen. Gibt es die, wird stichprobenartig, wahrscheinlich quer zum vermuteten Straßenverlauf, in den Boden geschaut. Alles Weitere, auch der zeitliche Ablauf, kommt auf den Zustand der vermuteten Straße an.

Manfred Meuter, Technischer Beigeordneter im Rathaus, sieht den Untersuchungen gelassen entgegen. "Noch wurde nichts gefunden", sagt er. "Solange das nicht der Fall ist, muss ich mir auch keine Gedanken machen."

(NGZ/rl)
 
 
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