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Erkelenz
Kunstobjekte als Reise zu uns selbst

Gudrun Schuster neben ihrer Skulptur "Luft". Sie steht in einem "Bannwald" mit Trauervögeln, denn das geschnitzte Vogel-Mensch-Wesen löst sich gerade vom Erdenleben. "Sie setzt den Fuß in die Luft", erklärt die Künstlerin. FOTO: Resch

Erkelenz. Schau in Haus Spiess: Die Neusser Künstlerin Gudrun Schuster setzt sich mit ihren geschnitzten Skulpturen mit dem Teil unseres Wesens auseinander, das die Realität durchbricht und uns zu unseren Wünschen und Sehnsüchten führt.

Als letzte Ausstellung des Jahres in Haus Spieß zeigt Gudrun Schuster geschnitzte Skulpturen und rundet damit eine bisher zehnjährige Ausstellungsreihe ab. In diesen zehn Jahren wurden in 36 Ausstellungen über 50 bildende Künstler und Künstlerinnen präsentiert. Noch zwei Tage vor Ausstellungsbeginn befand sich das Gerüst der Instandsetzungsarbeiten nach Wasserschäden an Haus Spieß. Erst jetzt sind die Renovierungsarbeiten so gut wie abgeschlossen.

In der aktuellen Ausstellung setzt Gudrun Schuster mit ihren Skulpturen die Räume in Szene und inszeniert sie in besonderer Weise. Sieben Skulpturen, die klangvolle Namen wie "Stille", "Die Opernsängerin", "unendlich sanft", "Lichtung", "Luft", "Cuve" und "Mondkatze" tragen, machen neugierig auf die Geschichte dahinter. Der Ausstellungstitel "Die sechs Säulenheiligen", lenkt den Blick nach innen. "Die Heiligkeit tragen wir in uns", erklärt die Künstlerin. "Es sind Momente und wir müssen auf Distanz gehen, weil wir den direkten Zugriff dafür nicht haben." Deshalb lässt sie ihre Skulpturen in einem Bannwald stehen, hängt Fäden um die Objekte oder hebt sie durch Spiegelboden oder Schnee vom Untergrund ab, um die Distanz zu zeigen. "Man muss aufmerksam sein, um es zu spüren", weiß sie.

In ihrem Objekt "Die Lichtung" entrückt Gudrun Schuster eine Wolfsfrau und ihre Begleiterinnen - in Form von zwei schwebenden, geschnitzten Blütenstängeln - in einem geschaffenen Distanzraum aus Fäden. "Um Heiligkeit zu erfahren, muss man still werden", sagt sie. Ihre geschnitzte Skulptur "Stille" ist ein Wesen, einer Katze nicht unähnlich, das durch ausgestreuten Kunstschnee, der den Boden bedeckt, sozusagen in den Raum gehoben wird. "Bis die Arbeit fertig ist, bedarf es einer intensive Auseinandersetzung, bis die Form gefunden ist", sagt Schuster.

Bei manchen Figuren setzt die Künstlerin ihr Konzept eins zu eins in das geschnitzte Werk um, wie bei der mannshohen Skulptur, die eine Hand mit einem Vogel zeigt. Jedoch muss man auf das Material eingehen. Ein gemachter Schnitt kann nicht rückgängig gemacht werden, die Skulptur entsteht damit bei der Bearbeitung.

Die Künstlerin benutzt unterschiedliche Holzsorten. Sie arbeitet mit sogenanntem grünen Holz, also frischem Holz, das noch nicht abgelagert ist. Für sie ist es wichtig, mit der Wachstumsrichtung zu arbeiten. Risse im Material gehören zur geschnitzten Skulptur. Im Arbeitsprozess geht sie zunächst mit der Kettensäge an die Baumstämme, dann nur noch mit der Hand, mit Beitel und Raspel. Geschliffen und eingeölt ist nur die Katze der Skulptur "Stille", die aus Esskastanienholz gearbeitet ist und somit die markante Maserung zeigt. Das Holz ist sehr schwer und nur mit Flaschenzug bewegbar.

Ursprünglich kommt Gudrun Schuster von der Steinbildhauerei. Doch seit Langem bearbeitet sie Holz für ihre Skulpturen. Durch ihre Wurzeln hat sie eine andere Herangehensweise im Umgang mit der künstlerischen Holzbearbeitung. Als Künstlerin hat sie jedoch schon vieles ausprobiert, etwa Wachs als Grundstoff für ihre Skulpturen oder gestrickte Wolle sowie Installationen und Objekte mit unterschiedlichen Werkstoffen.

Quelle: RP
 
 
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