Artikel merken

Wählen Sie, welchen Ressorts, Themen und Autoren dieses Artikels Sie folgen möchten. Entsprechende Artikel finden Sie dann auf „Mein RP ONLINE“

Düsseldorf
Wie der Terrier Nacho zum Blogger wurde

Nacho und Herrchen Achim Beiermann betreiben gemeinsam einen Hunde-Blog. Immer im Mittelpunkt: der sechs Jahre alte Terrier. FOTO: hans-jürgen bauer

Düsseldorf. Eigentlich sollte Terrier Nacho nicht mehr am Leben sein. Doch das Schicksal meinte es gut mit ihm. Seit einem Jahr schreibt er mit Hilfe eines Ghost-Writers - sein Herrchen Achim Beiermann - über sich, die Menschen und ihr oft so frag- und merkwürdiges Verhalten.

Die Haselmaus ist zum Wildtier des Jahres gewählt worden. Wirklich beeindruckend sieht die ja nun nicht aus, findet Nacho, der seinen drahtigen Körper mit seiner von andalusischem Stolz geschwellten Brust gern im Spiegel oder auf einer Radkappe begutachtet. "Ich frage mich, warum ich, Nacho, noch nie zum Tier des Jahres gewählt wurde?", schreibt der sechs Jahre alte Terrier in seinem Blog. "Zu Fressen gäbe es in Hülle und Fülle: frisch, getrocknet oder auf Wunsch auch gebarft. Die Frage, ob es ein Hundeleben nach dem Tod gibt, wäre für mich obsolet - das Paradies würde schon auf der Erde anbrechen", meint Nacho selbstbewusst.

Seit einem Jahr schreibt er mit Hilfe eines Ghost-Writers - sein Herrchen Achim Beiermann - über sich, die Menschen und ihr oft so frag- und merkwürdiges Verhalten. Seine Geschichten beginnen immer mit den Worten "Theo, du glaubst es nicht..." Und weil das so eingängig ist, haben Nacho und sein Herrchen gleich den Blog so genannt. Dass Nacho mit seinen Ansichten gern mal daneben liegt, das interessiert ihn nicht. "Dafür gibt es ja Theo", sagt Beiermann. Leider ist Nachos Hunde-Freund vor ein paar Monaten gestorben. Den Blog umbenennen wollten der Autor und Nacho aber nicht. Dass Achim Beiermann so ausgelassen und sorgenfrei schreiben kann aus Nachos Sicht, grenzt an ein kleines Wunder. Eigentlich sollte Nacho gar nicht mehr am Leben sein. Der kleine Mischlingsterrier hatte kein Zuhause, keine Familie, kein Herrchen. Er wartete vermutlich in einer Tötungsstation in Spanien auf den letzten Tag, seinen letzten Tag. Aber das Schicksal meinte es gut mit ihm. Der Hund wurde gerettet, kam in ein Tierheim in Zülpich, wo ihn Achim Beiermann vor zwei Jahren entdeckte.

Dabei wollte der 62-Jährige nie einen Hund. "Aus gesundheitlichen Gründen ging ich früher in den Ruhestand", erzählt Beiermann. Seine Frau redete ihm gut zu, hielt immer mal Ausschau im Internet nach einem Hund. "Ach, lass doch", sagte Beiermann dann. "Sonst ist der Hund wirklich bald bei uns." Irgendwann ploppte das Bild von Nacho auf, "süß hat er schon ausgeschaut", fand Beiermann, der plötzlich auf den Hund gekommen war.

Am Anfang ist das Zusammenleben schwer gewesen, Nacho ließ nur wenig Nähe zu. "Wer weiß, was ihm passiert ist", sagt das Herrchen. Tagelang verkroch sich Nacho, kam kaum aus seiner Ecke raus. Dann fuhr Familie Beiermann mit Nacho in die Ferien, "seitdem passt kein Leckerli mehr zwischen uns beide", sagt Achim Beiermann. Weil die beiden seitdem ein so gutes Team sind, fing der Gerresheimer vor gut einem Jahr an, über die Erlebnisse zu schreiben.

"Ich bin zwar kein Journalist, aber eines weiß ich ganz sicher: Die Überschrift muss stimmen", sagt Beiermann. "Harndrang zum Jahreswechsel" ist so eine Zeile, die über einer Nacho-Story steht. Kurz nach Silvester ist die Geschichte erschienen, in der der Terrier seine schlimmen Böller-Erlebnissen mit seinen Artgenossen teilt. So sehr fürchtete er sich vor den Knallern, dass er einfach nicht sein Geschäft verrichten konnte. "Der Alte drehte das Autoradio bis zum Anschlag auf, öffnete alle fünf Türen und ließ mich untermalt von den Bässen des alten Europe-Songs ,The Final Countdown' aus dem Kofferraum hüpfen" schreibt Nacho. Doch seine feinen Hundeohren, die immer noch ein ganz leichtes Wummern wahrnahmen, hinderten ihn am Strullern.

Auch wenn Beiermann gerne mal ein bisschen übertreibt, an seinen Geschichten ist immer etwas Wahres dran. "Wir sind an Silvester bis zur Stinder Mühle rausgefahren", erzählt er. Gebracht habe es aber nichts, Nacho hielt bis um 5 Uhr in der Früh ein, bis es endlich ruhig wurde in und um Gerresheim.

Die Ideen sind Achim Beiermann bisher nicht ausgegangen. Das dürfen sie auch nicht. Wenn er nicht einmal in der Woche pünktlich eine neue Geschichte liefert, dann gibt es Zuschriften von Fans. Inzwischen hat Nacho sogar eine eigene Facebook-Seite, allen seinen Freunden dort gratuliert er zum Geburtstag. Eine Stunde am Tag ist Beiermann mindestens beschäftigt mit Nachos Blog, der bis zu 2200 Menschen erreicht. Besonders beliebt ist übrigens das "Nachitat", eine Kombination aus Nacho und Zitat. Kurze Sprüche wie: "Ärgerlich, dass meinem Leinenhalter das Passwort für Amazon gehackt wurde. Dann kriege ich wieder einen neuen Namen".

Quelle: RP
 
 
top