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Dinslaken
Das Schicksal der Selma Isaacson

Stolperstein zum Andenken an Selma Isaacson: An der Scharnhorststraße wohnte die Jüdin, bevor sie fliehen musste und schließlich deportiert wurde. FOTO: Kempken

Dinslaken. Weitere neun Stolpersteine erinnern an Opfer des Nationalsozialismus.

Neun Mahnmale für neun Schicksale: Der Kölner Künstler Gunter Demnig begann gestern seine fünfte "Stolpersteine"-Aktion in Dinslaken, um die Erinnerung an an die von den Nationalsozialisten Verfolgten wach zu halten. Selma Isaacson war eine von ihnen. Sie lebte an der Scharnhorststraße und kam aus einer bekannten jüdischen Viehhändler- und Metzgereifamilie. "Sie erlernte wie viele Frauen damals keinen Beruf und war jahrzehntelang Haushälterin und Kindermädchen bei jüdischen Familien in Dinslaken, Mülheim und Köln", erzählt Anne Prior, Initiatorin der "Stolpersteine" in Dinslaken. 1938 floh Selma Isaacson von Dinslaken nach Rheydt, wo sie im jüdischen Altenheim unterkam. Mit den anderen Bewohnern des Hauses wurde sie Ende 1941 in das Ghetto von Riga deportiert und im März 1942 erschossen.

Der Stolperstein in der Scharnhorststraße vor dem Haus mit der Nummer 44 ist für Agathe Liesen, geborene Wickers, besonders wichtig. Er liegt vor ihrem Elternhaus, sie erinnert sich gut an Selma. "Sie war wie eine Großmutter für mich", so die 80-Jährige. Agathe Liesen bekam von Selma Isaacson einen Geldbeutel geschenkt. "Den habe ich bis heute", berichtet die gebürtige Dinslakenerin. Auch an Isaacsons Flucht erinnert sie sich. "Ein Nachbar, der NSDAP-Parteimitglied war, warnte meinen Vater, dass Selma auf der Liste stand. Sie konnte in der Nacht darauf fliehen", erzählt Liesen. "Wir haben danach nie wieder etwas von ihr gehört."

(heg)
 
 
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