Artikel merken

Wählen Sie, welchen Ressorts, Themen und Autoren dieses Artikels Sie folgen möchten. Entsprechende Artikel finden Sie dann auf „Mein RP ONLINE“

Düsseldorf
Kosten für neues Kasino laufen aus dem Ruder

Düsseldorf. Neue Zahlen zum Besucherschwund in den NRW-Kasinos verstärken die Zweifel an dem Projekt.

Der erste Spatenstich für das Spielkasino in Köln wurde noch nicht gesetzt, und schon laufen die Kosten aus dem Ruder. Wie aus einem Bericht von NRW-Finanzminister Norbert Walter-Borjans (SPD) für die aktuelle Sitzung des Finanzausschusses hervorgeht, liegen die Kosten für das siebenstöckige Gebäude am Deutzer Ottoplatz jetzt schon 300.000 Euro über Plan - Baubeginn ist aber erst 2018.

Keine dramatische Summe. Aber sie gießt Öl ins Feuer der Zweifler: Angesichts seit Jahren rückläufiger Besucherzahlen in den übrigen NRW-Casinos der landeseigenen Westspiel-Gruppe und ihrer prekären wirtschaftlichen Lage fragen sie: Warum baut NRW überhaupt ein fünftes Kasino?

Die Casinos in Aachen, Bad Oeynhausen und Hohensyburg hatten im vergangenen Jahr 20.000 Spieler weniger als im Vorjahr - ein Rückgang um vier Prozent. Nur das Kasino in Duisburg, das sich auf Automatenspiele spezialisiert und sich damit in der bundesweiten Kasino-Szene ein Schmuddel-Image eingehandelt hat, verlor keine Besucher. In den sechs Jahren davor verloren alle NRW-Casinos zusammen 40 Prozent ihrer Gäste. Die seit Jahren defizitäre Gruppe wird laut früheren Einschätzungen des NRW-Finanzministeriums erst 2021 wieder schwarze Zahlen schreiben. Nur durch den Sondereffekt eines bundesweit kritisierten Warhol-Kunstverkaufs konnte Westspiel zum Beispiel im Geschäftsjahr 2014 einen Verlust in Höhe von 21 Millionen Euro ausgleichen. Im vergangenen Sommer feierte sich das Management für eine angebliche Trendwende, weil unter dem Strich des Geschäftsjahres 2015 ein Plus von 500.000 Euro stand. Beim Blick in die Westspiel-Bilanz wird das Selbstlob jedoch fahl: Auch diese schwarze Null kam nur zustande, weil Westspiel einen in fetten Jahren angelegten Risikofonds in Höhe von knapp acht Millionen Euro aufgelöst hat. Zahlen für 2016 liegen noch nicht vor.

Dennoch spricht Walter-Borjans in seinem Bericht von einer "positiven Entwicklung". Als Erfolg verbucht er unter anderem, dass die Brutto-Spielerträge (das Spielgeld, das die Gäste in den Casinos lassen) 2016 gestiegen seien. Ralf Witzel, Fraktions-Vize der FDP im Landtag, sagt dazu: "Wenn in staatlichen Kasinos weniger Besucher mehr Geld ausgeben, ist das kein Erfolg. Es wirft im Gegenteil die Frage auf, ob staatliche Kasinos als Instrumente der Spielsuchtbekämpfung überhaupt funktionieren."

Quelle: RP
 
top