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E-Mobilität
Mallorca will Insel der Elektroautos werden

Mallorca - Balearen-Insel will Paradies für Elektroautos werden FOTO: Nissan

Palma de Mallorca. Mallorca will grüner werden, was den Straßenverkehr angeht. Langfristig will man nur noch elektrisch fahren. Wie Mobilität mit Strom auf der Insel funktioniert, kann man schon jetzt mit Mietwagen ausprobieren. Man muss allerdings danach suchen.

Voll, voller, Mallorca: Auf der Deutschen liebsten Urlaubsinsel wird es dieses Jahr besonders eng. Noch hat die Hauptsaison nicht begonnen, schon jetzt zeichnet sich ab, dass die Insel 2017 einen neuen Urlauberrekord aufstellen wird.

Ein riesiger Kraftakt für die Insel und ihre Bewohner. Nicht nur die Strände, Einkaufspassagen, Innenstädte und die Hotels sind gut besucht, auch auf den Straßen ist viel los. Busse mit Ausflüglern und natürlich Mietwagen mit Urlaubern prägen das Straßenbild.

Lange Staus auf den Straßen zu mallorquinischen Sehenswürdigkeiten gehören schon in der Vorsaison zum Alltag. Kein Wunder also, dass die balearische Landesregierung plant, verstärkt gegen Umweltbelastungen – darunter den CO2-Ausstoß von Fahrzeugen - vorzugehen. Ein Ziel: Auf Mallorca sollen bis 2050 nur noch E-Autos unterwegs sein, gleichzeitig soll der Ausbau regenerativer Energiegewinnung forciert werden.

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2050 Verbrenner fast nur noch als "Oldtimer"

Ein ambitioniertes Ziel, gibt es zurzeit auf der Insel rund 500 Elektrofahrzeuge. Trotzdem: Professor Thomas M. Cerbe von der Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften schätzt diese E-Fahrzeug-Pläne nicht unrealistisch ein.

"Das lässt sich durchaus erreichen, wenn ab 2030/2035 nur noch Elektrofahrzeuge gekauft werden. Dann wird es 2050 Verbrenner fast nur noch als "Oldtimer" geben." Natürlich muss noch viel getan werden, um Käufer von den Vorzügen der Elektromobilität zu überzeugen. Eine Möglichkeit, den Mallorquinern und Urlaubern das E-Auto näher zu bringen, ist, die Akzeptanz und Anzahl der elektrischen Mietwagen zu erhöhen.  

Von den mindestens 60.000 Mietwagen auf Mallorca werden nur ca. 60 von einem E-Motor angetrieben. Die Anzahl der Fahrzeuge könnte rasch gesteigert werden, wenn Mietwagenanbieter und E-Fahrzeughersteller von den Vorteilen der elektrischen Präsenz überzeugt wären. Hier sieht Cerbe besonders die Hersteller in der Pflicht, genügend E-Autos zur Verfügung zu stellen.

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Keine Angst vor Reichenweitenmangel 

Zwar sind die Margen im Mietwagengeschäft nicht eben prickelnd, aber mittel- und langfristig wird sich für die Hersteller die Investition ins mallorquinische Mietwagengeschäft lohnen, ist Cerbe überzeugt. Schließlich können Interessenten die E-Fahrzeuge unter alltäglichen Bedingungen testen. Anders als bei einer klassischen Probefahrt beim Händler hat man länger Zeit, sich mit dem Auto zu beschäftigen.

Allerdings sollte man sich schon im Vorfeld mit dem Thema beschäftigt haben und sich nicht darauf verlassen, dass die Mietwagenmitarbeiter mit profunden Kenntnissen und einer guten Einweisung punkten. Bei der Schulung ihrer Mitarbeiter sieht der Verkehrsexperte bei den meisten Mietwagenfirmen noch Handlungspotential.

Die Mitarbeiter sollten mit den unterschiedlichen Lademöglichkeiten der jeweiligen Fahrzeuge vertraut sein und die Kunden entsprechend informieren, so dass diese nicht mit fast leeren Batterien eine Schnellladesäule ansteuern, um dort festzustellen, dass ihr Fahrzeug keinen Anschluss für die Schnellladefunktion hat. Kabel und Ladestellenkarten sollten standardmäßig zur Verfügung gestellt werden.

Angst vor Reichenweitenmangel muss man auf Mallorca übrigens nicht haben. Auf der Insel gibt es über 100 öffentliche Ladesäulen, davon sind neun Schnellladesäulen, an denen sich ein E-Fahrzeug mittels Schnellladefunktion in rund einer halben Stunde aufladen lässt. Diese Turboladestationen liegen strategisch günstig über die Insel verteilt und sind meist neben großen Tankstellen platziert.

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Nächtliches Aufladen an einer Haushaltsteckdose

In einem kleinen Praxistest mit einem Nissan Leaf funktionierte das Laden ganz unkompliziert. Vor der Säule parken, Ladedeckel in der Motorhaube öffnen, Schnellladekabel aus der Säule ziehen – ganz ähnlicher Vorgang wie bei einem herkömmlichen Tankvorgang –, Kabel einstecken und mittels mitgebrachter Ladekarte das Laden aktivieren. Schon fließt Strom. Nach knapp 30 Minuten war die Batterie auf rund 80 Prozent aufgeladen und die Fahrt konnte ganz entspannt weitergehen.

Abgerechnet wird meist direkt zwischen Energiedienstleister und Mietwagenfirma. Letztere preist Kosten für die Ladevorgänge in der Leigebühr ein. Solche Schnellladesäulen bieten sich für Urlauber an, die die Insel ganz intensiv erfahren möchten und am Tag mehr als 120 Kilometer zurücklegen möchten.

Wer weniger unterwegs ist, kommt mit dem nächtlichen Aufladen an einer Haushaltsteckdose aus. In vielen Parkhäusern ist ein solches Aufladen möglich (natürlich auch tagsüber und Ladekarte vorausgesetzt). Die Hotels aus Mallorca halten sich beim Einrichten von speziellen Steckdosen für E-Fahrzeuge allerdings noch zurück.

Fincavermieter setzen auf Elektroautos

Dass Gäste, die sich ein E-Mietauto mieten, mehr als preiswerte All-Inclusive-Angebote wahrnehmen wollen und daher auch mehr Geld auf der Insel lassen als der preissensible Pauschaltourist, erkennen dagegen immer mehr Fincavermieter. So wie Barbara und Tomas Sureda von der Agrotourismus-Finca Sa Gruta Vella.

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Die Installationskosten für eine FI-abgesicherte Steckdose von 400 Euro sieht das Unternehmerehepaar als gute und günstige Investition, um sich von den zahlreichen Konkurrenzangeboten abzusetzen. Den Strom zum Aufladen erhalten die Kunden hier übrigens zum Selbstkostenpreis.

Besonders grün ist der mallorquinische Strom noch nicht. Erst drei Prozent des auf der Insel produzierten Stroms kommt aus regenerativen Quellen. Aber durch Strom vom spanischen Festland erhöht sich der regenerative Anteil auf rund 12 Prozent.

Sparen können Mietwagennutzer bei der Abgabe ihres E-Fahrzeugs. Wo Mietwagen mit Verbrennungsmotoren vollgetankt zurückgebracht werden müssen, gibt man die E-Autos einfach ab. Die Mietpreise für ein E-Auto schwanken saisonabhängig wie die für herkömmliche Fahrzeuge. 

(SP-X)
 
 
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